Guten Morgen – es ist 6 Uhr und der Aufstieg zum Kings
Canyon kann beginnen. All die Tage habe ich mich gewundert, warum die Guides
nach deiner Fitness fragen und nach gutem Schuhwerk bei lächerlichen 6 km
Strecke, ferner dir für 4 Stunden Wanderung mindestens 3 Liter Wasser
empfehlen. Jetzt bin ich schlauer: Der Anstieg geht 40 % rauf und es ist kein
Spaziergang, sondern Bergsteigen und Klettern. Wir überqueren Schluchten,
müssen wegen Überflutung Bäche barfuß passieren und kommen dabei in der
Morgendämmerung gehörig ins Schwitzen. Wow, Fitnessstudio in Deutschland ist
ein Furz dagegen. Und ganz nebenbei bekomme ich so viel von der Aborigines-Geschichte
mit....
Wusstet ihr zum Beispiel? Die Aborigines waschen sich nicht
und sie schwitzen und stinken nicht. Ihr Stoffwechsel funktioniert optimal. So graben sie unter
anderem mit einem Stock zwei Meter tief entlang eines bestimmten Baumes im
Erdreich, um dort Honig zu finden. Sie essen Raupen und Beeren und mahlen ihr
Korn auf Steinen. Erlegte Tiere und Wasser legen sie in Höhlen ab, damit
Verderbliches kühl bleibt. Die Frauen gebären ihre Kinder in Höhlen. Männer
sind für die Jagd und den Schutz der Familie, Frauen für das Aufwachsen der
Kinder und die Ernährung verantwortlich. Beide Geschlechter haben ihre eigenen
Zeremonien, die sie getrennt voneinander von Generation zur Generation weiter
vererben. Dabei tanzen die Frauen barfüßig mit nackten Brüsten in der roten
heißen Erde. Für uns Europäer wäre das so als ob wir barfüßig auf einer heißen
Herdplatte tanzen würden. Erst im geschlechtsreifen Alter kommen Jungs und
Mädchen zusammen, um ihre eigene Familie zu gründen. Beide sind dann fähig in
der Wüste selbständig zu überleben. Unsereiner würde das gerade mal 20 Stunden
schaffen!
Nach dem Bergsteigen in der Dämmerung sitze ich 5 Stunden im
Überland-Bus zum Ayers Rock. Der Himmel zieht allmählich auf und ich hege die stille
Hoffnung auf einen Sonnenuntergang am Ayers-Rock. Als ich ankomme, stehen die
Chancen ganz gut. Also renne ich zum Touristenscenter und will noch eine
Sonnenuntergangstour buchen, aber leider ist alles ausgebucht. Ich mache den
Reiseverantstaltern klar, dass es die letzten 4 Tage geschüttet hatte und ich
20.000 km gereist bin, um das zu erleben. Ellie bekommt schließlich Mitleid und
ich darf mit! Yuppie, Uluru – ich kommmmeeeee!
Der Koloss, der sich mir bisher nur violtettfarben offenbart
hatte, leuchtet jetzt von Ocker über Kupfer bis zum Gold! Wieder einmal bin ich
sprachlos und überwältigt. Jetzt wirkt er gar nicht wie aus Stein, sondern eher
als ob er von einer Art Haut überzogen wäre. Am Fuße des Berges lerne ich zwei
Studenten aus Hannover kennen, die zwei Jahre gearbeitet haben, um Australien
zu sehen. Wir haben einen sehr schönen Abend und die beiden machen auch ein
paar Aufnahmen von mir, die ich euch jetzt mit einem lieben Gruß schicke.
Voller Dankbarkeit, eure Maggie;-)






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