Donnerstag, 1. März 2012

Unterwegs zum Kings Canyon


Die ganze Nacht habe ich heute wilde Sachen geträumt und bin mit einer Erkenntnis über die Anangu-Menschen aufgewacht: Sie verstehen die Pflanzenwelt, die Tiere und uns Menschen als Ausdruck einer gemeinsamen Schöpferkraft. Jedes Individuum, jeder Stein, jede Pflanze, jedes Tier drückt diese heilige Energie aus, die uns alle verbindet. Und für das Urvolk geht diese vom Ayers Rock und den Olgas aus. Das ist die Religion der Natur. Die Punkte und Symbole in ihren Bildern stellen Tiere, Menschen und Orte dar, also Teilchen, die zusammen als Bild verschiedene Legenden erzählen.
Ich hatte euch ja bereits erzählt, dass ich hier gefühlt habe, dass ich Teil von etwas Größerem bin, das mich überwältigt. Aber erst jetzt fügen sich die Puzzleteile der letzten Tage zu einem Ganzen! Ich bin voller Dankbarkeit, dass ich einen Zugang zu dieser geheimnisvollen Welt und nicht zuletzt zu mir selbst finden durfte.
Mit einem Überlandbus geht es nach dem Frühstück in den über 300 km entfernten Kings Canyon, einen Ort mit gerade mal 35 Einwohnern. Es regnet weiter in Strömen und die Wüste ist so grün wie seit Ewigkeiten nicht mehr, meint unser Guide Dane. Einige überflutete Straßen machen uns unterwegs zu schaffen, sodass ich etwas besorgt bin, ob wir morgen Nachmittag hier überhaupt wegkommen und ob in der Morgendämmerung unsere Wanderung stattfindet. Dann schäle ich mich aus meinem letzten Zivilisationshäutchen und es ist mir egal. Die Natur hat ihre eigenen Gesetze und du folgst ihr.
Wir beziehen unsere schlichten Zimmer im Outback. Hier gibt es kein Internet, kein Telefon, aber immerhin Strom, eine Tankstelle und riesige Trinkwasservorräte. Für alle Fälle habe ich Wraps, Käse, Senf und Salat gekauft, weil man sich so ein paar Tage selbst versorgen kann. Das war auch unsere Mahlzeit mit Tobi und Marla beim Campen.
Nach der langen Reise mache ich alleine einen Spaziergang im Regen und jetzt fühlt sich alles ganz anders an, denn ich weiß ich bin ein Teil dieser wunderbaren Schöpfung. Ich habe keine Angst mehr vor Schlangen oder irgendwelchen Krabbeltieren und Stichen, denn sie und ich gehören dazu, zu diesem einen Großen. Wir sind eins. Nie hätte ich erwartet ausgerechnet dieses Urvertrauen und diese Geborgenheit am anderen Ende der Welt zu finden. Ich habe immer danach gesucht, in meiner Familie, in einem Partner, in Freunden und dabei bin ich damit schon auf die Welt gekommen! Das will ich fortan mit allen teilen. Unser Leben ist ein Geschenk. Und alles, was wir brauchen, bekommen wir mit auf den Weg. Dieses Wissen nehme ich mit. Und was hinterlasse ich? Fußstapfen in der roten Erde. Und für euch meinen Blog.








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