Heute bekommen wir alle einen zusätzlichen Tag geschenkt, da
Schaltjahr ist und ich könnte ihn nicht voller ausschöpfen.
Ich bekomme nur 4 Stunden Schlaf, denn der Wecker klingelt
schon um 4:30 Uhr, da es dann zum Sonnenaufgang raus geht. Überhaupt richtet
sich hier der Tag nach der Wüste; d.h. du gehst vor Sonnenaufgang vor die Tür,
zwischen 11 und 16 Uhr hältst du Siesta und dann geht es wieder raus. Heute hat
es abgekühlt. In der Dunkelheit tigern wir durch die Wüste. Der Weg zur
Aussichtsplattform ist mit roten und grünen Lampen wie am Flughafen gekennzeichnet.
Das ist nötig, denn du siehst die eigene Hand nicht vor den Augen. Leider
liegen immer noch Wolken über dem Rock, sodass wir nur bescheidene Aufnahmen
bekommen. Dagegen glückt das anschließende Wandern an dem Monolithen entlang.
Madeleine führt uns durch das Naturreservat. 2 Liter Wasser schleppe ich im
Rucksack mit, an heißen Tagen brauchst du 1 Liter pro Stunde! 40 Menschen sind
hier schon beim Versuch den heiligen Berg zu besteigen an Dehydration
gestorben.
Der Stein selbst ist nicht von dieser Welt. Ich glaube, er
ist aus dem Weltall, er besteht aus lauter Platten, die wie Steinlaub wirken,
dazwischen ist er zerklüftet. Es geht eine Magie von diesem Ort aus, die ich
gar nicht beschreiben kann. Und der Berg wechselt wirklich alle paar Minuten
seine Farben. Dann wirkt er wie eine dreidimensionale Leinwand, auf die
verschiede Schattenspiele projiziert werden. Wir müssen uns an strenge Regeln
halten, u.a. dürfen wir bestimmte Abschnitte aus Respekt nicht fotografieren.
Da es jetzt aus allen Kübeln schüttet, bekommen wir ein einmaliges
Naturschauspiel zu sehen: Wilde Wasserfälle! Madeleine erzählt uns von den
Riten und Bräuchen der Ureinwohner. Ich tauche vollkommen ein in die fremde
Welt ein und bin kein bisschen müde. Von 12 bis 15 Uhr haben wir Pause und ich
esse eine Kleinigkeit.
Danach besuchen wir ein Reservat, in dem einige der Anangu
als Künstler leben. Wir schauen zu, wie sie ihre Dotpaintings machen; in die Augen
blicken dürfen wir ihnen nicht, weil es respektlos ist. Jedes Bild stellt eine
Legende dar und Stück für Stück lese ich mich in die Zeichensprache ein. Zu gerne
würde ich gemeinsam mit ihnen malen!
Dann steht eine zweite Wanderung am Kata Tjuta an, aber die
Olgas sind wolkenverhangen und es schüttet nach wie vor wie aus Kübeln. Wir
schaffen nur den halben Aufstieg, weil es glatt ist und uns das Wasser in
Sturzbächen entgegen kommt. Ich habe keine trockenen Schuhe mehr und ein Plastik-Poncho
hilft mir das Schlimmste an Wasser abzuhalten. Wieder sehen wir zig
Wasserfälle, können aber keine Aufnahmen machen, weil es zu stark regnet. Die
internationale Gruppe nimmt es mit Humor und wir sind uns einig, dass das ein
einzigartiges Naturschauspiel ist – „eine Wrafting-Tour in den Olgas ;-)“. Danach
wärmen wir uns bei einem Rotwein auf, obwohl ein Glühwein in der Wüste jetzt
angebrachter wäre. Ihr wisst ja, dass ich immer extreme Abenteuer anziehe und
dieses werde ich bestimmt niemals vergessen!
Am Abend gehe ich noch mit Daniela aus Australien und Paddy
aus Kanada Essen. Die beiden haben dieselbe Tour gebucht, also werden wir viel
Spaß haben. Inzwischen komme ich übrigens mir der angelsächsischen Sprache
bestens zu recht, ganz gleich, welchen Akzent meine Gesprächspartner haben.
Genug für heute,
Eure Maggie
Genug für heute,
Eure Maggie




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